Pressemitteilung vom 26. September 2022

Gemeinsame Pressemitteilung
des Bündnisses Gemeinschaftsschule Bayern

München, den 26. September 2022

Zukunftsorientierte und insbesondere der Inklusion verpflichtete Organisationen im Bildungsbereich gründen Bündnis Gemeinschaftsschule in Bayern.

In Bayern hat sich am 12. Juli 2022 ein Bündnis mehrerer Bildungsverbände gegründet, das die Einführung der Gemeinschaftsschule fordert. Es kritisiert insbesondere, dass elf Jahre nach der Ratifizierung der UN-BRK die Inklusion in Bayern nicht vorankommt und dass sogar ein immer größerer Anteil von Schüler:innen vom gemeinsamen Unterricht ausgeschlossen ist. Außerdem klafften in Bayern in besonderem Maße die Chancen von Kindern mit Benachteiligungen aller Art und solchen aus reichen und gebildeten Familien auseinander. Als längst überfällige Antwort darauf müsse nun endlich auch in Bayern die Gemeinschaftsschule zugelassen werden, da sie strukturell die besten Voraussetzungen für mehr Gerechtigkeit bei der Bildung biete.

Das Bündnis will sich aktiv im Vorfeld der Landtagswahl zu Wort melden und Parteien wie Kandidat:innen mit der Gretchenfrage konfrontieren: „Wie hältst du’s mit der Bildungsgerechtigkeit?“.

Hintergrund

Die dringend notwendige Transformation hin zu einer menschenrechtsbasierten Bildung für alle erfordert einen Paradigmenwechsel im Schulbereich.

Obwohl die UN-Behindertenrechtskonvention bereits 2009 von der Bundesrepublik Deutschland ratifiziert wurde, sträubt sich Bayern politisch gegen die konsequente Umsetzung und verstößt damit eklatant gegen die Menschenrechte. Schulen mit dem Profil Inklusion lösen das Problem nur dem Namen nach.

Die sich aus der Behindertenrechtskonvention ergebende Verpflichtung, ein inklusives Bildungssystem aufzubauen und in der Konsequenz die Förderschulen abzuschaffen, hat in Bayern seitdem zu der befremdlichen Entwicklung geführt, dass heute nicht weniger, sondern mehr Schülerinnen und Schüler vom Besuch der allgemeinen Schule ausgeschlossen werden: 4,2 Prozent aller Schülerinnen und Schüler besuchten im Jahre 2009 eine Förderschule; im Jahr 2019 waren es 4,7 Prozent. (Quelle: Studie der Bertelsmann Stiftung 2020 zur Inklusion)

Die sechs Gründungsmitglieder des Bündnisses wollen zum einen die schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen in Bayern nicht mehr hinnehmen, zum anderen wollen sie den politisch Verantwortlichen und Entscheidungsträgern Mut machen, die überfällige Transformation im Schulbereich in die Wege zu leiten. Sie betrachten es als gesellschafts- und finanzpolitisch nicht mehr hinnehmbar, Kinder und Jugendliche zurückzulassen. Auch dürfe ihnen nicht länger zugemutet werden, ausgegrenzt, abgehängt und abgewertet zu werden.

Gerade in dieser Zeit der vielfältigen Krisen, der daraus resultierenden „neuen Normalität“ und des anhaltenden und immer deutlicheren Lehrermangels stellt sich die Frage, wie wir zukunftsweisend damit umgehen und wie wir aus Mangel, Enge und Erstarrung in die Kreativität und positive Veränderung der Rahmenbedingungen kommen.

Für eine neue Normalität ist die Veränderung des Bildungssystems zwingend notwendig.

Deswegen muss nun als erster Schritt auch in Bayern ein überall bereits erfolgreiches Schulkonzept etabliert werden.

Die Gemeinschaftsschule soll eine weitere eigenständige öffentliche Schulart im bayerischen Schulwesen werden, die Gymnasium, Realschule, Mittelschule und Förderschule zu einer gemeinsamen Schulform vereint, wie es das Bündnis formuliert. Sie ist eine inklusive Schule, in der alle Schülerinnen und Schüler unabhängig von Geschlecht, Weltanschauung, sozialer Herkunft, Begabung, individuellen Lernbedürfnissen oder einer Behinderung aufgenommen werden.

Dass diese Schule bis einschließlich Klasse acht notenfrei ist, ist eine Selbstverständlichkeit, denn jedes Kind soll in seinem eigenen Takt lernen und so seinen individuell passenden Schulabschluss erreichen.

Die Gemeinschaftsschule gewährleistet, dass Schulabschlüsse aller Schulformen an ihrem Standort erworben werden können.

Das Bündnis fordert daher, Gemeinschaftsschulen auf Antrag von Sachaufwandsträgern zuzulassen und zu genehmigen.

Die dazu notwendigen gesetzlichen und verwaltungsrechtlichen Voraussetzungen (Änderung des Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes [BayEuG]) sind dringend zu erbringen.

Schüler, Eltern, Lehrkräfte in Bayern müssen endlich zeigen dürfen, dass und wie Schule erfolgreich anders gehen kann.

Gemeinschaftsschulen im In- und Ausland haben es längst vorgemacht. Bayern ist das einzige Bundesland, in dem ein rein gegliedertes Schulwesen besteht[1]

Die Weiterentwicklung des bayerischen Schulsystems mit der Erweiterung um die Schulart „Gemeinschaftsschule“ muss für die Landtagswahl 2023 ein zentrales Thema sein.

Das Bündnis besteht aus diesen Gründungsmitgliedern:

Lernwirkstatt Inklusion e.V.
Aktion Humane Schule e.V.
Eine Schule für Alle in Bayern e.V.
LAG Bayern – Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen e.V.
Netzwerk Inklusion Bayern e.V.
Kunterbunte Inklusion e.V.

Weitere Informationen zum Bündnis und zum Manifest findet man auf unserer Website:

https://buendnis-gemeinschaftsschule-bayern.de/


[1]              Vgl. https://www.bpb.de/medien/261305/DZB_Schulformen%20nach%20Bundeslaendern_2017.pdf

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