Das Übertrittszeugnis: Ausweis der Benachteiligung
Die Übertrittszeugnisse für Bayerns Schülerinnen und Schüler
geben einmal mehr Anlass zu Kritik.
Anfang nächster Woche werden Kinder erneut anhand untauglicher Kriterien auf verschiedene Schularten sortiert. Der Maßstab für den Übertritt an eine weiterführende Schule ist eine Note. Längst ist bekannt, dass Noten nicht objektiv sind und mit der Leistungsfähigkeit eines Kindes nicht viel zu tun haben. Aufteilung der Kinder behindert die ohnehin Benachteiligten
Ebenfalls gut erforscht ist, dass die Sortierung der Kinder nach angeblicher Leistung gerade diejenigen Kinder benachteiligt, die es am schwersten haben. Sie verstärkt die Effekte von niedrigem sozioökonomischem Status, geringer Bildung der Eltern und eines Migrationshintergrunds, alles für sich genommen schon Bremser von Bildungslaufbahnen. Erst vor wenigen Tagen wurde die Benachteiligung dieser Menschengruppe durch den Übertritt einmal mehr vom aktuellen Chancenmonitor 2026 des ifo Instituts bestätigt.
Doch weder Kultusministerium noch Staatsregierung interessieren sich sichtbar dafür. Dies verwundert angesichts der anhaltenden Diskussion darüber. „Es fällt schwer, daran zu glauben, dass die Bildungsverantwortlichen im Freistaat irgendwann noch gute Argumente für diese Ausgrenzung liefern können“, so Christine Lindner, Sprecherin des Bündnisses Gemeinschaftsschule Bayern. „Wer konsequent weiterdenkt, muss vielmehr zu dem Schluss kommen, dass gerechte Chancen für alle in Bayern einfach nicht gewollt sind. Auch die stetig nachlassenden Ergebnisse bei Erhebungen zum Bildungsstand der bayerischen Schülerinnen bewirken hier, wider alle Vernunft, offenbar kein Umdenken.“
Das Verfahren, Kinder derart diskriminierend zu sortieren, wird schon lange von der Forschung, von Bildungs-, Schüler*innen-, Eltern- und Inklusionsverbänden kritisiert. Unlängst wunderte sich John Hattie, einer der weltweit renommiertesten Bildungsforscher, dass man in Deutschland zu wissen glaubt, welchen Weg heute zehnjährige Kinder später einschlagen werden.
Bündnis Gemeinschaftsschule fordert andere Lern- und Schulkultur
Das Bündnis Gemeinschaftsschule Bayern kritisiert den Übertritt scharf: „Wir brauchen, ganz im Gegenteil, ein inklusives Lernen, wo die Kinder nicht in vorgefertigte Bahnen gesteuert werden, sondern nach ihren eigenen Bedürfnissen lernen können, alleine, miteinander, voneinander und mit engem Coaching einer begleitenden Lehrkraft“ fordert Dr. Gerald Klenk, Co-Sprecher des Bündnisses Gemeinschaftsschule.
Das Bündnis fordert daher die Zulassung der Gemeinschaftsschule in Bayern als zusätzliche Schulart.