Die Pisa-Rutschbahn und die fatale Schockstarre der Bildungspolitik
Die Bildungsergebnisse in Deutschland rutschen nach der aktuellen PISA-Untersuchung weiter talwärts. Eine Bankrotterklärung der Bildungspolitik, findet das Bündnis Gemeinschaftsschule Bayern.
Dass die Talfahrt bei der Bildung weiter anhält, verwundere nicht, meint Christine Lindner, Sprecherin des Bündnisses Gemeinschaftsschule Bayern. Zwar konstatiere man diese Richtung seit Jahren, doch außer Kleinstreparaturen am bestehenden erfolglosen System habe die Bildungspolitik nichts zu bieten.
So halte das deutsche Schulsystem beharrlich an einem seiner – nun erneut dokumentierten – Kardinalfehler fest: die frühe Aufteilung von Schülerinnen und Schülern. „Dass diese Aufteilung schwächere Schülerinnen und Schüler systemisch benachteiligt, weisen nicht nur die PISA-Untersuchungen regelmäßig nach. Mittlerweile ist es breiter Konsens der Bildungs- und Sozialforschung„.
Dass das deutsche Schulsystem mit seinen veralteten Konzepten von Unterricht aus dem 19. Jahrhundert stammt und längst nicht mehr zur Jetztzeit passt, blendet auch Bildungsministerin Prien in ihrem Interview für die Welt komplett aus. Sie glaubt, weiteres Schrauben daran könne die Probleme lösen. „Allerdings versucht man das schon lange, ohne den Abwärtstrend gestoppt zu haben“ moniert Lindner. „Wir vermissen mutige Reformen, die integratives, inklusives und gemeinsames Lernen nach vorne holen.“
Auch das stereotyp immer wieder geforderte „Zurück zum Leistungsprinzip“ ist stark zu hinterfragen. „Wenn sich Leistung darin erschöpft, vorgekautes Wissen in Prüfungen abzuprüfen, das dann wieder vergessen werden kann, wenn diese Praxis ausgeweitet werden soll, macht das kein einziges Kind klüger“, ergänzt Dr. Gerald Klenk, Co-Sprecher des Bündnisses Gemeinschaftsschule. „Dagegen müssen Motivation und Freude gestärkt, Interessen ausgebaut sowie Selbstwirksamkeit und Mitbestimmung gefördert werden. Nur so lässt sich Wissen und Können nachhaltig verankern. Das erfordert ein anderes Verständnis von Schule, und es gibt dafür längst viele gute Beispiele.“
Strukturell besonders gut geeignet für solche Konzepte ist die Gemeinschaftsschule. Aus gutem Grund ist sie die Schulart mit dem stärksten Schülerzuwachs. Hier kann das Lernen an die Entwicklung des jeweiligen Kindes angepasst werden. Entgegen landläufiger Vorstellungen „verschenkt“ sie keine Bildungsabschlüsse, sondern vergibt sie nach denselben Vorgaben wie andere Schularten. Auch an der Gemeinschaftsschule gibt es herausragende Ergebnisse, deutlich zu sehen an der Alemannenschule in Wutöschingen, wo schon im ersten Abiturjahrgang der Notendurchschnitt um eine Notenstufe besser ausfiel als im Landesdurchschnitt.
Das Bündnis Gemeinschaftsschule Bayern sieht sich durch die neuen PISA-Ergebnisse darin bestärkt, weiter für die Zulassung einer inklusiven und integrativen Gemeinschaftsschule als zusätzliche Schulart in Bayern zu kämpfen. Dafür organisiert es für Akteure, die dieselben Ziele verfolgen, eine Auftaktveranstaltung am 21. November, 10 – 13 Uhr in Augsburg.